Armageddon im Orient

Autor: Dr. Lüders Michael

 

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Das Atomabkommen mit dem Iran ist Geschichte: Die Zeichen stehen auf Sturm. Warum aber haben die USA es aufgekündigt, gegen den erkiärten Willen der Europäer? Obwohl sich Teheran an alle Verpflichtungen hält? Worum geht es in diesem Konflikt? Um die Eindämmung eines «Schurkenstaats» oder aber die Vorherrschaft in der Region? Gewohnt anschaulich erklärt Michael Lüders die Hintergründe und macht deutlich: Ein Angriff auf den Iran hätte kein westlich orientiertes Regime in Teheran zur Folge, sondern Armageddon im Orient - mit katastrophalen Folgen auch für uns in Europa.
Armageddon im Orient
Wie die Saudi-Connection den Iran ins Visier nimmt
265 S. mit einer Karte, Paperback



C.H.Beck-Verlag 2018
ISBN 978-3-406-72791-7


Der Orient kommt nicht zur Ruhe. Während die Kämpfe vor allem in Syrien andauern, zeichnet sich bereits der nächste Konflikt ab: Präsident Trump und seine Verbündeten nehmen den Iran ins Visier. Dahinter steht auch ein Machtkampf zwischen Riad und Teheran. Michael Lüders schildert die Ursachen des Konflikts seit dem 18. Jahrhundert und erklärt, warum der Westen einseitig Partei ergreift. Unter Obama wurde 2015 das Atomabkommen mit dem Iran geschlossen. Doch obwohl Teheran sich erwiesenermaßen an alle Verpflichtungen hält, bricht der Konflikt jetzt erneut auf. Warum ist das so? Ist der Iran wirklich ein «Schurkenstaat»? Welche Rolle spielen die engen wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen den USA und Saudi-Arabien, die sogenannte «Saudi-Connection»? Und gibt es tatsächlich eine religiöse Feindschaft zwischen Sunniten und Schiiten? Gewohnt anschaulich und pointiert erklärt Michael Lüders die Konflikte und macht deutlich, warum der Region ein neuer dreißigjähriger Krieg droht.<
  • Vorwort
  • Treibsand: Unter Gläubigen
    Nicht Religion trennt Sunniten und Schiiten, sondern Machtpolitik
  • Saudi-Arabien: Weinende Männer und ihre «Brüder»
    Vom Schwerttanz zur Erdöl-Monarchie
  • Israel hofiert Khomeini: Nichts ist, wie es scheint
    Über Intrigen in Zeiten, als der Iran noch kein «Schurkenstaat» war
  • Saudi goes America: Waffen gegen Öl
    Wie Saudi-Arabien (fast) ein Bundesstaat der USA wurde
  • Im Bann des Bösen: Regimewechsel in Teheran?
    Warum ein Friedensangebot Washington empörte
  • Werte, Werte, Werte: Ein Blick hinter die Kulissen
    Amerika hat Verständnis für saudische Terroristen, aber nicht für iranische Atome
  • House of Cards: Unterwegs mit Jared Kushner
    Trumps Schwiegersohn verwechselt den Nahen Osten mit seiner Luxusimmobilie
  • House of Cards, Staffel zwei: Unterwegs mit Mohammed Bin Salman
    Der saudische Kronprinz und wie er die Welt sieht
  • Hungerspiele im Jemen: Das nächste Land wird zerstört
    Showtime bei den Vereinten Nationen
  • Damaskus am Pranger: Wer schießt eigentlich auf wen?
    Über den Wahnsinn als politische Methode
  • Jesus und der dunkle Prinz: Syrien und das Ende des Atomabkommens
    Wie die Regierung Trump zur Jagd auf die Ajatollahs bläst
  • Was tun? Ein Ausblick
  • Anmerkungen
  • Karte
Vorwort

Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts – diese Einsicht Willy Brandts gerät in der heutigen Weltpolitik zunehmend in Vergessenheit. Vor allem der Konflikt mit dem Iran kann jederzeit zu einem Krieg führen, mit unabsehbaren Folgen. Warum aber stehen die Zeichen auf Sturm, welche Akteure suchen warum den Showdown mit Teheran? Weshalb hat US-Präsident Donald Trump im Mai 2018 das drei Jahre zuvor geschlossene Atomabkommen mit dem Iran aufgekündigt, obwohl die übrigen Mitunterzeichner es beibehalten wollten? Nämlich Russland, China, Deutschland, Großbritannien und Frankreich? Obwohl der Iran nachweislich alle Bestimmungen und Auflagen eingehalten hat? Wieso steht das Land am Pranger, gilt die Islamische Republik vielen im Westen, aber auch in Israel und den arabischen Golfstaaten, als das Böse schlechthin? Ist diese Feindseligkeit eine bloße Reaktion auf dessen als unbotmäßig empfundene Politik? Oder sind im Hintergrund ganz andere Kräfte am Wirken? Geht es möglicherweise darum, die unliebsame Regierung in Teheran durch eine nach dem Geschmack Washingtons zu ersetzen? Einmal mehr Regimewechsel zu betreiben?

Die jetzige Krise hat eine lange Vorgeschichte, bei der die Saudi-Connection eine tragende Rolle spielt. Der Begriff bezeichnet die engen politischen und wirtschaftlichen Bande zwischen den USA und Saudi-Arabien, deren Geschäftsbeziehung bis heute wesentlich auf dem Tausch von Waffen gegen Erdöl beruht. Zu dieser Vorgeschichte gehört aber auch die israelische Haltung gegenüber Teheran, die zur Zeit Khomeinis erstaunlich pragmatisch war, danach aber in ihr Gegenteil umschlug. Das Image der Islamischen Republik ist seit der Revolution 1979 ein denkbar schlechtes, keineswegs unverschuldet von iranischer Seite. Sie zu dämonisieren fällt demzufolge leicht und bietet sich an – jedem Krieg geht die Verteufelung des vermeintlichen Gegners voraus.

Darauf hinzuweisen heißt im Umkehrschluss nicht, iranische Politik gutzuheißen oder ihr unkritisch zu begegnen. Gerade in Zeiten von fake news aber ist die sachliche Analyse ein zwingend gebotener Gegenentwurf zur Feindbild- Prosa. Sachlichkeit bedeutet auch, vorherrschende Meinungen und Gewissheiten infrage zu stellen, insbesondere auf die Einordnung der Konfliktparteien in «Gut» und «Böse» zu verzichten. In der Politik geht es jenseits von Rhetorik selten um Moral, vielmehr um Macht und Einfluss, die Durchsetzung von Interessen. Diese durchaus schlicht zu nennende Einsicht fällt vielen schwer, die sich einer wie auch immer verfassten «Wertegemeinschaft» zugehörig fühlen. Für sie mag das vorliegende Buch eine Herausforderung sein – aber die Zeiten, in denen wir leben, verlangen nach klaren Worten.

In der hiesigen Öffentlichkeit gilt der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran vielfach als ein religiöser: Sunniten gegen Schiiten. Ist das so? Handelt es sich tatsächlich um einen innerislamischen Dschihad? Oder wird hier ein Machtkampf entlang religiöser Bruchlinien ausgetragen? Zwischen Saudi-Arabien, der selbsternannten Schutzmacht der Sunniten, und dem schiitischen Iran?

Es gibt viele gute Gründe, die Politik Teherans anzuprangern. Warum aber gilt der Iran als Reich des Bösen, während die Kritik an saudischem (Fehl-)Verhalten vergleichsweise gemäßigt ausfällt? Weshalb gibt es seit Jahren Streit um das iranische Atomprogramm? Allein um zu verhindern, dass «fanatische Mullahs» nach der Atombombe greifen? Oder geht es gleichermaßen darum, das einzig verbliebene Land im weiten Raum zwischen Marokko und Indien einzuhegen, dessen Politik sich nicht am Westen orientiert? Jedenfalls ist der Iran nach einer Phase der Beruhigung im Atomstreit seit der Präsidentschaft Trumps erneut ins Fadenkreuz geraten.

Die folgenden Kapitel zeigen die Zusammenhänge und Hintergründe auf, sie erzählen die Geschichte hinter den Schlagzeilen. Vieles erscheint unglaublich, etwa die Geschäfte beider Präsidenten Bush mit dem Haus Saud. Aber auch die Abenteuer Jared Kushners, des Schwiegersohns von Donald Trump, lesen sich wie eine Räuberpistole. Die Welt um uns herum ist aus den Fugen geraten, in jeder Beziehung. Der Konflikt um den Iran ist dabei ein entscheidender Brennpunkt. Vor allem deswegen, weil er den Weltfrieden ernsthaft bedroht.

Fangen wir also vorne an.