Rückblick zur Tagung „Humus und Humanität“


vortrag heinz grill

Mit weit über 200 Teilnehmern war die Tagung vom 16.11.2017 am Andreashof zum Thema „Humus und Humanität“ gut besucht. Es kamen nicht nur Anthroposophen und Yogapraktizierende, sondern Menschen unterschiedlicher Berufe und geistiger Orientierung, die an diesem Thema interessiert waren.

Was kann der einzelne tun für den Erhalt oder sogar für die Kultivierung der Erde, auch wenn er nicht Gärtner oder Landwirt ist?

Mit dieser Frage beschäftigten sich die Vorträge der beiden Referenten Roland Ulrich und Heinz Grill.

Vortrag Roland Ulrich

vortrag ulrich

Herr Ulrich beeindruckte durch seine Kompetenz aufgrund seiner jahrzehntelangen Erfahrung in der Kompostierung und im Aufbau von Humus zu guter, fruchtbarer und lebenserhaltender Qualität. Er begann seinen Vortrag mit dem Wort des Aristoteles, „der Boden ist des Lebens höchstes Gut“ und fügte das Wort des Dichters Novalis hinzu: „zur Bildung der Erde sind wir berufen“. Er richtete damit den Blick seiner Zuhörer auf den Boden der Erde als eines der großen Geheimnisse des Menschseins.

Die Situation der Erde

Er führte aus, dass jährlich 24 Milliarden Tonnen kostbaren Humus verloren gehen. Mit dem Boden gehe aber auch das Wasser verloren. Allein in Europa seien seit der Industrialisierung der Landwirtschaft die Hälfte aller landwirtschaftlichen Nutzflächen verloren gegangen. In Amerika und anderen Kontinenten sei die Verwüstung der Erde bedingt durch Erosion sogar noch weiter fortgeschritten. Die großen Kornkammern Nordamerikas und Kanadas mit einst zwei Meter dicken schwarzen Humusböden seien heute riesige Mondlandschaften. Auch wenn es in Europa noch viel Grünflächen gäbe, so bestehen doch große Unterschiede hinsichtlich der Qualität. Mithilfe von künstlichem Dünger könnten zwar noch grüne Pflanzen gezogen werden, die Qualität des Lebendigen sei dabei aber längst schon verloren gegangen. Es brauche 2000 Jahre, um 10 cm neuen Humus auf der Erde wieder neu aufzubauen. Diese bedeute eine große Anstrengung, welche die Menschheit zu leisten habe. In Bezug auf den Klimawandel führte er aus, dass der Boden drei mal so viel Kohlenstoff speichert wie die Pflanzen. Mit dem Boden gehe also auch ein wesentlicher Kohlenstoffspeicher verloren.

Humus sei der Träger des Lebens. Er ist nicht nur das, was die Naturwissenschaft untersucht und mit den Elementen C-H-O-N-S (Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Schwefel) bezeichnet, sondern er besitzt im Wesentlichen einen lebendigen bzw. ätherischen Charakter. Diesen Träger der Lebenskraft bezeichnet die Philosophie des Laotse mit CHI. In dem Wort CHI sei bereits das Wort ICH enthalten. In Sanskrit werde die gleiche Lebenskraft mit prana bezeichnet. Sie sei das schöpferische Prinzip, das aus einem kosmisch-geistigen Ursprung bis in die tiefste Materie die Substanzen wie z.B. Eiweiße, Kohlehydrate formt. Es sei kein Zufall, dass das Wort Humus aus der gleichen indogermanische Sprachwurzel stammt, wie Humanität. Der heutige Verlust an Humus bedeute zugleich auch einen Verlust an Humanität.

Der durch Erosionen bedingte Verlust an Humus sei immer auch ein Ergebnis von „Erosionen“ in seelischer und geistiger Hinsicht. Der Humus sei auch in uns Menschen. So sei auch das hebräische Wort adam (der Mensch) sehr nahe verwandt zu dem Wort adama, was so viel wie Humus bzw. Boden bedeutet.

Die Verwandlung (lat. transubstantiation) als große Aufgaben des Menschen

Roland Ulrich führte weiter aus, dass von Aristoteles das sogenannte Elementenkreuz stammt:

Feuer (Süden)

Luft  (Osten)     –|–     Wasser (Westen)

Erde(Norden)

Die Elemente seien früher noch mehr als geistige Entitäten angeschaut worden, als geistige Wesen, die sich geopfert hätten, damit Materielles entstehen kann. So seien sie die Lebensgrundlage für alles, was das Leben ausmacht.

Die hebräische Bezeichnung für Feuer sei nur, für Luft ruach, für Wasser jam und für Erde jebsha. (Die Umschrift erfolgte nach dem Höreindruck, sie ist evtl. nicht exakt wiedergegeben.)

Es sei kein Zufall, dass diese vier Initialen INRI nach der Überlieferung auch auf dem Kreuz des Christus als Tafel angebracht war. Die Römische Bezeichnung lautet: Jesus Nazareus Rex Judorum (Jesus von Nazareth, König der Juden). Im esoterischen Sinne deuten nach R. Ulrich diese Zeichen aber auf diese vier Elemente hin, die ebenfalls eine Kreuzesform bilden und die durch die Opfertat Christi eine Verwandlung erfahren hätten.

Ulrich zitierte den Biochemiker und Philosoph Rupert Sheldrake, der sagte, dass wir heute das Leben noch nicht erklären könnten. Es seien aber die zwei großen „B“s, das Bewusstsein und die Bewegung, welche das Leben ausmachten. Und Mendel Berry habe gesagt: „Fürsorge für die Erde ist die ältestes, würdigste und erfreulichste Verantwortung. Würdevoll zu hegen was von ihr noch übrig ist und ihre Erneuerung zu fördern.“

Die Kulturleistung der Zisterzienser

Um die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft gestalten zu können sei es sinnvoll, in die Vergangenheit zu blicken mit der Frage, wie überhaupt die Kulturlandschaften Europas entstanden seien. Ihre Entstehung sei keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis einer geistigen Strömung, die in ihrer Art einzigartig war, nämlich die Bewegung des Zisterzienserordens.

„Ora et labora“ (bete und arbeite) war die Hauptregel dieses Ordens. Wir würden heute darüber lächeln, aber die Kraft, unter den damaligen Umständen von Hungersnöten, Missernten, Ausbeutung und Bildungsarmut derartige Leistungen zu vollbringen, wäre ohne diesem „ora et labora“ nicht möglich gewesen. Bernhard von Clerveaux sei der wohl größter Impulsgeber der damaligen Zeit gewesen. Er sei ein hellsichtiger Mensch gewesen, der die Menschen seiner Zeit mit seinen Worten tief berühren konnte. Die Kraft seiner Worte waren durchdrungen von einem tiefen christlichen Geist, der schließlich den Enthusiasmus in den Menschen erweckte. So konnten sie ganz ohne Technologien große Einöden, Sumpfgebiete und riesige Wälder zu den heutigen Kulturlandschaften verwandeln. Es waren von wenigen Mutterklöster ausgehenden immer ein Abt mit 12 Mönchen, die dann in die Einöde gingen und dieses urbar machten. Das erste Mutterkloster, von dem die ganze weitere Bewegung ausging, sei Citeaux in Burgund gewesen.

Von nur fünf Mutterklöster ausgehend wurden weitere 2000 Klöster gegründet. Von Portugal bis zum Baltikum, von Skandinavien bis Sizilien wurde so die Landschaft kultiviert. Roland Ulrich wies auf das Wissen hin, das diese Menschen haben mussten, um so etwas leisten zu können. Diese Menschen hätten gewusst, dass sie die Zukunft gestalten und damit einer späteren Generationen die Lebensgrundlage schaffen wollten. Sie hätten eine tiefe spirituelle Arbeit vollbracht. Ihnen war die Erde etwas heiliges, um das man sich kümmern muss. Sie wussten, dass sie hart arbeiten, Opfer bringen mussten, um soziale Verbesserungen zu ermöglichen. Die Zisterzienser haben Schulen gegründet, sie haben den Menschen das Wissen gegeben, das wir heute noch nutzen, wie z.B. Getreidebau, Viehzucht, das Wirtschaften (z.B. mit den Filialen) sie haben Pflegestationen, Krankenhäuser und Seelsorge aufgebaut. Ihre Arbeit war von Demut getragen. Und Demut bedeutete ihnen, hinzuschauen zur Erde, zu den Tieren, zu den Mitmenschen und zu den höheren Wesen, in dem Wissen, dass man ohne sie nicht existieren könne.

Für unsere heutige Zeit sei nicht nur die Bewahrung der Schöpfung wichtig, sondern aus christlicher Ethik (nicht aus Kirchentum) heraus, die Erde zu gestalten. Das schaffe die Lebensgrundlage für zukünftige Generationen. Die Aufgabe des Menschen sei die Vergeistigung der Erde. Der Mensch habe viele mehr Kompetenzen und viel mehr Bedeutung als er in der Regel wahrhaben möchte.

Von großer Bedeutung sei hierzu die spirituelle Ausrichtung, beispielsweise die Hinwendung im Gebet, bei dem das persönliche zurückgelassen werde. Nicht die kleinliche Bitte um das eigene Wohlergehen, sondern die tiefe Hinwendung an den Gott oder an die geistigen Dimensionen müsse im Gebet errungen werden. Aus diesem Gebet schöpfe der Mensch schließlich die Kraft und das Wissen, um die nötigen Kulturleistungen zu vollbringen. Es sei deshalb im besonderen Maße wichtig, dass der einzelne Mensch zu einem bewussten Verhältnis zu dem Christus finde.

Roland Ulrich rundete seinen Vortrag mit Bildern von den Projekten ab, die er selbst in verschieden Ländern aufgebaut hat, in Amerika, an verschiedenen Demeterhöfen in Deutschland, in Italien, Spanien, Litauen bis nach Israel, wo er in der Wüste Negev Menschen ausgebildet habe in der Kompostierung nach den Prinzipien des Natur- und Geistforschers Ehrefried Pfeiffer.

R. Ulrich endete seinen Vortrag mit den sehr tiefsinnigen Worten: „Der Kompost ist Ich-Bildung der Erde. Der Mensch besitzt ein Ich und deshalb ist er für die Ich-Werdung der Erde verantwortlich. Die Welt will Mensch werden, da sie selbst einmal Mensch gewesen ist.“

Vortrag Heinz Grill

vortrag heinz grill

Der spirituelle Lehrer, passionierte Kletterer und Geistforscher Heinz Grill knüpfte an dem Vortrag von Roland Ulrich an, in dem er aufzeigte, wie der Mensch an der Verwandlung (Transubstantiation) der Erde arbeitet und zur Bodenfruchtbarkeit beiträgt. Der Mensch sei derjenige, der die Vergeistigung und die Kultivierung der Erde leiste. Das menschliche Potential sollte deswegen in die Förderung kommen. Herr Ulrich habe seine Erkenntnisse, die er errungen hat, zur Humusförderung in der Welt eingesetzt. Dies bedeute ein Dienst an der Erde. Dieser Dienst am Menschen und an der Erde werde im Yoga mit karma-Yoga bezeichnet. Karma bedeute im üblichen Sprachgebrauch soviel wie, dass ein Versäumnis aus dem früheren Leben in einem nächsten Leben ausgeglichen werde muss. Heinz Grill definierte den Begriff nun aber etwas anders, nämlich dass eine Idee bzw. eine Vorstellung, die der Mensch entwickelt hat, schließlich solange bearbeitet werden sollte, bis sie auch in eine Umsetzung in das soziale Leben kommen kann.

Heinz Grill führte aus, dass die Idee des Humus, der letztlich von der Humanität getragen sei, und im gegenseitigen Wechselverhältnis stehen muss, sehr bedeutungsvoll sei. Jeder einzelne Mensch sei heute direkt aufgefordert zum Geistigen selbständig eine Beziehung aufzunehmen. Diese selbständige Beziehungsaufnahme erscheint heute wichtig für die Arbeit. Nicht irgend eine Kirche, eine Glaubensorganisation oder eine Gruppe könne eine Antwort auf die entscheidenden Fragen geben, sondern es ist der einzelne Mensch selbst aufgefordert, sich in eine Beziehung zum Geiste zu bringen und auch in eine Beziehung zu den Mitmenschen und zur Erde hin.

Der Fundamentalismus uns seine Auswirkungen auf die Lunge

Mit der Frage was eigentlich der Fundamentalismus sei, setzte Heinz Grill seinen Vortrag fort. Im landläufigen Sinne nehme man den Begriff Fundamentalismus für bestimmte meist religiöse Gruppen, die ihre Überzeugungen auf sehr militante Weise mit Wahrheitsansprüchen durchsetzen wollen. Der Begriff wurde erstmals 1920 von dem englischen Theologen Lewis geprägt und erhielt nach und nach seinen heutigen negativen Anstrich. Er werde heute vor allem für Gewalthandlungen aus religiösen Überzeugungen gebraucht. Der Fundamentalismus sei aber nichts anderes, als ein Wahrheitsanspruch. Dieser Wahrheitsanspruch begleite den Menschen nicht erst seit jüngerer Zeit. Wenn man diesen Fundamentalismus genauer betrachtet, gründe er sich auf zwei Worte: auf Fundament und auf -ismus. Ein Fundament brauche der Mensch. Wenn beispielsweise ein Vortrag gehalten werde, dann brauche der Redner auch ein Fundament an Gedanken, sonst könne er keinen Vortrag halten. Oder wenn man ein Betrieb gegründet werde, müsse er ebenfalls auf bestimmten Gedanken und wirtschaftlichen Elemente aufbauen. Das Fundament selbst wäre noch keine Problem. Erst die Ergänzung durch den -ismus mute negativ an. Dies sei auch bei anderen Begriffen der Fall, wie „Intellektualismus“, „Kapitalismus“, sogar der „Idealismus“ habe einen leicht negativen Beigeschmack. Immer wenn dieser „-ismus“ hinzukommt, gehe es in eine eigenartige Stimmung über, denn man bemerkt, dass etwas durchgesetzt werde, was dem ersten Wort fremd ist.

Fundament – Fundamentalismus

Im Gegensatz zu den -ismen stehe dieses individuell errungene Verhältnis zu einer Sache, das Herr Ulrich in seinem Vortrag bereits angesprochen habe. Je mehr jemand in seinem Leben auf wirklicher seelischer Basis ein Verhältnis zu einer Sache gewinnt, desto weniger werde er in der Regel gewaltsam mit dieser Sache nach außen treten, da er dann eine Beziehung dazu hat.

Heinz Grill ging in diesem Zusammenhang auf die Hexenverbrennungen, die in der Geschichte gewütet haben, ein. Hier seien von einer Kirchenstruktur zusammen mit einer Herrschaftsstruktur zumeist Frauen verfolgt worden, schließlich wegen Verschwörung gegen die Kirche oder wegen Hexerei angeklagt, verurteilt und sogar hingerichtet worden. Es handele sich auch hier um einen Fundamentalismus, auch wenn er damals noch nicht mit diesem Begriff bezeichnet wurde. Das bestehende Fundament im Staats- und Kirchensystem sei nicht mehr imstande gewesen, die gesellschaftliche Situation in harmonischer und rationaler Weise zu begleiten, zu inspirieren und zu kultivieren. Die Obrigkeit wehrte sich gegen bestimmte Gebräuche und begann damit Menschen zu verfolgen

Der wesentliche Unterschied zur heutigen Zeit sei, dass man bei der Hexenverfolgung im ausgehenden Mittelalter etwas zu begreifen suchte, was man nicht begreifen konnte, nämlich das Weibliche. Die Hexenverfolgung sei eine sehr unglückliche Suche gewesen, das Weibliche zu begreifen, da das Weibliche für die damaligen Menschen mit vielen Eigentümlichkeiten und Mysterien behaftet war. Auch eine Theologie, nach der der Mann die Krone der Schöpfung bildet und die Frau Gehorsam leisten muss, konnte dieser Hexenverfolgung Vorschub leisten.

Heute finde man den Fundamentalismus auch in anderen Bereichen. Man finde ihn beispielsweise dort, wo der einzelne keine Macht besitzt, aber dennoch eine Macht ausdrücken möchte, indem er das, was er nicht erreichen kann, in Projektionen umsetzt. Heute sei die Zeit des Projizierens. Die Projektion laste das, was man in sich selbst als Ungereimtheit erlebt, Dritten an.

Heinz Grill stellte eine von ihm verfasste Karte mit einem Text zur Friedensförderung vor:

„Die vermeintliche Annahme, man stehe grundsätzlich auf der richtigen Seite des Glaubens und auf der Seite des friedvollen Volkes, impliziert die unverrückbare Feststellung, dass die anderen auf der falschen Seite des Glaubens stehen, kriegerische Absichten hegen und Sekte sind.

Das Wagnis, an den anderen und seine Wirklichkeit zu denken, wäre ein Grundstein gegen religiöse Diskriminierung und würde die individuellen Kräfte für eine gelungene Friedenspolitik schaffen.“

Wohl jeder habe das Gefühl, selbst auf der richtigen Seite zu stehen. Man übernehme sehr viele Aussagen, Glaubensvorstellungen und scheinbare Wahrheiten schon durch die Erziehung und weiterhin von den Gruppen, in denen man lebt. Dies führe zu diesem eigenartigen Selbstverständnis, dass der andere noch nicht so weit sei bzw. das Wesentliche noch nicht verstanden habe. Heute müsse deshalb der Einzelne, um frei von dem Fundamentalismus zu werden, sich zunehmend frei von Kollektivvereinnahmungen und Kollektivemotionen machen und sein Bewusstsein so schulen, dass es im Individuellen gegründet ist und dennoch universale Gültigkeit besitzt.

Ein typischer Fundamentalismus entstehe beispielsweise dann, wenn die Fundamente entweder nicht mehr richtig erfasst werden können, wenn also die Quelle aus der sie entstanden sind, längst verschüttet ist und sich nur noch eine intellektuelle Wortformel weiter überliefert, oder wenn die Gedanken, die dem Fundament zugrunde liegen, schlichtweg falsch sind. Die Wortformel „Was in der Bibel steht ist unverrückbare Wahrheit“ besitze einen solchen Charakter. Nehme man diese Wortformeln und durchdringe sie nicht mit eigenen Gedanken und Wahrnehmungen, dann entstehe etwas sehr eigenartiges. Solche Worte fixieren eine einstmals geistige Wahrheit in einen materiellen Anspruch. Je mehr solche materielle Formulierungen schließlich den Menschen ergreifen und in Wirklichkeit aber doch geistige Wahrheiten proklamieren, desto mehr entwickle sich eine bestimmte Art Krankheitssituation, und zwar eine Lungenkrankheit. Der Mensch müsse alles, was er aufnimmt, auch verdauen. Je mehr sich der Mensch mit fundamentalistischen Parolen auseinandersetzen müsse, desto weniger finde er schließlich zu dem eigentlichen Inhalt der Sache hin. Er nehme mit der Aussage eine Art Wesen auf und dieses Wesen nehme mit der Zeit wie eine dunkle Gestalt die Lunge gefangen. Der Fundamentalismus mache die Lunge dichter, er binde den Atem mehr an den Körper und führe zu Verhärtungen sowohl im Körper als auch in der Seele. Der Atem müsse frei gelassen werde, damit der Mensch sich wieder freier gegenüber seinen Körper fühlen könne. Mit dem freien Atem werde auch das Denken freier von einer materiellen bzw. fundamentalistischen Anhaftung.

Der Mensch hat die Fähigkeit zur Verwandlung der Erde

Heinz Grill griff den von Roland Ulrich bereits erwähnten Begriff der Transsubstantiation auf, und betonte die Fähigkeit des Menschen, durch seine individuelle Beziehung die Materie verwandeln zu können. Der Geist des Menschen sei eine wesentliche Instanz, aus der heraus er schaffend tätig sei. Je nach dem wie er denke, wie er arbeite, wie er im Leben stehe, wie er sich in Beziehung fühle und in den Beziehung ausdehne, werde auch die Qualität des Humus beeinflusst. Der Mensch gebe mit jedem Gedanken, mit jeder Handlung etwas in die kosmisch-geistige Welt, das von dieser aufgenommen und wieder zurückgegeben werde. Diese Kräfte seien es, die den Humus locker und fruchtbar werden lassen und die dazu führen, dass sich das Gewürm und die Bakterien im Erdreich günstig entfalten. Der Fundamentalismus müsse aber hierzu überwunden werden, da er mehr zu Verhärtung und Verkarstung führe.

Der Intellektualismus und die Nieren

Im weiteren Verlauf ging Heinz Grill auf eine Besonderheit der Niere ein. Die Niere reagiere ebenfalls wie die Lunge auf bestimmte Inhalte. Sie reagiere im besonderen Maße, wenn der Mensch Begriffe „schnellfertig“ gebrauche, z.B. wenn die verwendeten Begriffe nicht von Wahrnehmungen und Erfahrungen durchdrungen seien, sondern nur durch den Intellekt gebraucht werden. Dies führe zu einer Verschattung der Nieren. Der einzelne finde dann nicht mehr in einen Zusammenhang und es entstehe zunehmende Entfremdung.

Als praktisches Beispiel nannte Heinz Grill den Satz „Putin ist eine Gefahr für Deutschland.“ Er führte aus, dass solche Sätze eigentlich nur zu Ängsten und Entfremdung führen, aber in der Regel nicht zu einer Beziehung zur Sache beitragen können. Er schlage deshalb die Methode des „Rückwärtdenkens“ vor. Diese bedeute, nicht weitere Informationen anzuhäufen, sondern mit Fragen wie, „wer ist Putin, wie sieht er aus, was hat er gesagt, worin besteht die Gefahr?“ zunächst eine Beziehung zur Sache zu knüpfen und der Aussage in dem Satz mehr auf den Grund zu gehen. Heinz Grill führte weiterhin aus, dass Putin eine außerordentliche empfindsame Seite in der Physiognomie besitze und eine hervorragende Kapazität des Denkens. Er schaffe keine Polaritäten zu anderen Ländern, sondern nehme viel mehr eine auch für Deutschland wichtige ausgleichende Stellung in der Welt ein. Er beziehe sich auf die eigenen Fundamente des russischen Volkes und greife nicht andere Länder wie z.B. Amerika an. Er nehme andere Personen und Länder wahr und gehe in seinen Denkformen weit hinaus und auf andere zu. (Weitere Betrachtung von Heinz Grill zur Person Wladimir Putins finden sie bei www.heinz-grill.de) Der Mensch könne heute aber nicht mehr frei atmen, wenn er nur mit polemischen oder fundamentalistischen Parolen dieser Art überhäuft werde. Er brauche deshalb die Zeit, sich bestimmten Aussagen zu widmen und sie bis in die Tiefe zu verfolgen. Hierzu benötige er auch den Dialog mit anderen. Es sei heute notwendig, dass sich Menschen treffen, sich gegenseitig austauschen und gegenseitig wahrnehmen. Dieser Dialog könne die eigene wie auch die Entwicklung anderer wesentlich bereichern.

Ein gelungener Dialog

Einen weiteren Höhepunkt der Tagung bildete nach der Pause der abschließende Dialog mit dem Publikum. Das Publikum beteiligte sich mit wertvollen Fragen, beispielsweise wie man diese geistigen Wesen, welche die Organe des Menschen verschatten, verstehen und erfassen könne. Diese Fragen und Beiträge ergänzten sich in vorbildlicher Weise und ermöglichten so eine weitere Konkretisierung der Aussagen in den Vorträgen. Es wurde im Gespräch immer deutlicher, wie die Begriffe gemeint waren, welche Aussage und welches Anliegen mit ihnen verknüpft wurden. Es wurden für alle interessante Beispiele, Beobachtungen und Erfahrung ausgetauscht, so dass sich das Thema weiter gründen konnte.

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Diese Tagung endete in dem mehrfach geäußerten Wunsch nach weitere Veranstaltungen, in denen die angesprochenen Themen weiter vertieft werden können.

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